Originalstoff

 

Herzlich willkommen!

 

Sie finden hier literarische Texte und SkulpturenVerweilen Sie ein wenig, es würde mich freuen. Geben Sie mir Ihr Feedback.


22. August 2017, 12:24


Holz ist für die Bildhauerei ein ebenso faszinierendes wie schwierig zu handhabendes Material. Sein unerschöpfliches Potential an Zeichnung und Farbigkeit gibt es jedoch nur preis, wenn es „geöffnet“ wird. Ein entrindeter, ansonsten unversehrter Stamm ist vollkommen reizlos. Erst, wenn er aufgeschnitten wird, kommt das Holzbild zum Vorschein. Während die zimmermannsmäßige Verarbeitung nur wenige Schnittrichtungen kennt, geht der Bildhauer mit dem Werkzeug in allen möglichen Winkeln und Verläufen hinein. Die meisten dieser Arbeitsschritte sind, selbst bei Einsatz modernster CNC-Technik, stationär-maschinell noch nicht machbar, deshalb ist die Carvingsäge einstweilen das Werkzeug der Wahl für den Grobbehau. Die Zähne der Kettensäge reißen die Holzfasern auf. Wenn man die Bearbeitung an dieser Stelle abschließt, wie das viele Bildhauer oder Carver tun, hat man eine Skulptur mit einer mehr oder weniger derben, rauhen und stumpfen Anmutung. Das hat seinen Reiz, aber die Schönheit des Materials bleibt verborgen. Es fungiert in dem Fall als Träger der Form und kommt selbst kaum zur Geltung. Für diesen Zweck gibt es Alternativen, die billiger und viel leichter zu bearbeiten sind, wie etwa Ytong. Mir reicht das nicht. Der Ausdruck des Materials steht für mich gleichrangig neben der Form, der eigentlichen Skulptur. Um Holz zum Strahlen zu bringen, muss Licht hinein. Das ist ähnlich wie beim Schliff des Edelsteins. Auch Holz kann geschliffen werden, allerdings mit vertretbarem Aufwand nur auf ebenen Flächen, und die sind in der Plastik die Ausnahme. So bleibt, wie seit Jahrhunderten, nur das Bildhauereisen. Es unterscheidet sich vom gewöhnlichen Stechbeitel oder Stemmeisen durch die geformte Schneide. Diese entsteht, indem die Klinge einseitig in einem Winkel von ca. 30 Grad angeschliffen wird. Die schräge Fläche nennt man Fase. Beim Schärfen wird die Fase in mehreren Schritten auf dem Stein geschliffen und schließlich spiegelblank poliert. Die so veredelte Schneide ist scharf wie ein Skalpell (Schnittwunden schließen sich nach wenigen Stunden). Nur von Hand geführt oder durch den Schlag des Klüpfels dringt sie in das Holz und kappt die Fasern. Die nachfolgende Fase wird durch das Prinzip der Schrägen Ebene in die Schnittfläche gedrückt und hinterlässt mit ihrer absoluten Glätte eine Oberflächengüte, die einem Feinschliff gleichkommt. Das Licht kann eindringen, wenige Mikrometer zwar, aber das reicht, um von den Pigmenten und der Maserung reflektiert zu werden. So kommt das Wilde und Schöne hervor.

Redakteur




21. August 2017, 15:22


Wahrheit? Natürlich gibt es keine objektive, überpersönliche Wahrheit. Jeder hat seine eigene Wahrheit. Eben auch ein Berichterstatter bei der Abfassung eines Berichtes. Nennen wir es daher besser Aufrichtigkeit oder Authentizität. Was habe ich wirklich gesehen und gehört? Was habe ich dabei gefühlt? Zu schreiben, was ich hätte fühlen sollen, wird meinen Text schwächen, und aufmerksame Leser werden es merken. Auszulassen, was von meiner Wahrnehmung diesem oder jenem vermeintlich nicht gefällt, wird mein Werkzeug auf die Dauer stumpf machen. Wenn man für Auftraggeber schreibt, muss man Rücksichten nehmen, denn Auftraggeber ihrerseits müssen (und wollen) Rücksichten nehmen. Eine freie Presse gibt es nicht und hat es nie gegeben. Nicht einmal dann, wenn man ausschließlich für sich schreibt, ist man frei. Wächter wie das eigene Gewissen, Moralvorstellungen oder Scham schauen einem auf die Finger. Man kann sich dem beugen, immerzu, doch die Wahrheit, so verstanden, wird einem nicht aus dem Kopf gehen. Der einzelne Leser, dem sie vorenthalten wurde, hätte sie womöglich nicht gemocht. Doch vielleicht hätte ihm gefallen, dass sie aufgeschrieben wurde.

Redakteur



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...